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Erzieherin mit Kindern

Endlich priorisiert! Und schon ist der Druck zum schnellen Ja zur Corona-Schutzimpfung da...

Angelika Mauel

12.03.2021 | Fachkommentar Kommentare (2)

Sogar zur „Freitagsimpfung“ wird bereits gedrängt

Es gibt keine Impfpflicht und der psychische Druck zur Impfung ist noch nicht überall angekommen. Wir brauchen ihn auch nicht. Noch haben sehr viele Erzieher*innen und auch Lehrer*innen Grund zur Sorge, Empörung und Ungeduld, weil es noch dauert, bis sie geimpft werden können (Quelle). Es ist leider damit zu rechnen, dass sich noch einige infizieren werden, bevor ihre Priorisierung greift. Und doch naht der Impftermin und mit ihm wird oft unter Entscheidungsdruck bewusst, wie viele Fragen und Bedenken wir noch haben.   

Nachdem ausgerechnet Pflegekräfte (Quelle I / Quelle II) sich zur Empörung Dritter nicht (oder nicht sofort) haben impfen lassen, bewegt auch Erzieher*innen die Frage, ob sie „das Risiko eingehen sollen, ob sie das mit sich machen lassen sollen oder nicht.“ - Andererseits weiß man definitiv, welche Folgen COVID 19 – auch bei jüngeren Menschen - nach sich ziehen kann. In einer Kamener Vorzeigekita ist eine erst 44 Jahre alte Erzieherin an COVID 19 gestorben (Quelle). 

Zwischen Pro und Contra

Studien der Krankenkassen und auch der schnöde Alltag zeigen auf, dass unsere Berufsgruppe einem erhöhten Risiko ausgesetzt ist und dass Kinder durchaus zum Ausbruchsgeschehen beitragen (Quelle). Die Impfung wird von vielen Menschen sehnsüchtig erwartet. Hinterher empfinden viele Dankbarkeit. - Doch jüngste Meldungen aus Österreich (Quelle) hinterlassen schon wieder Zweifel, nachdem Christian Drosten und Kurt Lauterbach sich überzeugend zugunsten von Astrazeneca ausgesprochen haben. Ohne diesen umstrittenen Impfstoff, den Menschen in anderen Ländern bevorzugen, würden die Schutzimpfungen der pädagogischen Fachkräfte noch länger auf sich warten lassen. 

Angst vor Unfruchtbarkeit

Beunruhigend für Erzieherinnen im gebärfähigen Alter sind die nicht enden wollenden Gerüchte im Netz, dass Wirkstoffe oder Adjuvantien der Impfstoffe zur Unfruchtbarkeit führen könnten (Quelle). Frauenärzt*innen müssen aufklären und kennen es schon, dass die jungen Frauen aus den sozialen Berufen sich rückversichern wollen. „Wie lange sollte ich nach der Impfung warten, wenn ich bald ein Baby bekommen möchte?“ - Auch das ist eine Frage, die junge Erzieherinnen bewegt... 

Und wenn die Mutanten kommen?

Dann können wir hoffentlich von den bereits entwickelten Impfstoffen, Medikamenten und weiteren Fortschritten in der Behandlung profitieren (Quelle). Nicht nur an Impfstoffen, auch an Medikamenten gegen die Erkrankung COVID 19 wird geforscht (Quelle I / Quelle II). Ob gegen den gefürchteten Zytokinsturm bei einer Erkrankung ein Kraut gewachsen ist, wissen wir nicht. Ein gesundheitsbewusstes Leben und Naturheilkunde mögen durchaus auch vor Corona oder schlimmen Verläufen schützen können, aber sicher ist das nicht. - Auch eine Kneipp-Kita gehört zu den Einrichtungen, die wegen Corona schließen mussten (Quelle). 

Immerhin: Vom Hörensagen weiß man, dass sogar alte Menschen und auch die ersten Berufskolleg*innen die Impfung ohne oder mit erträglichen Nebenwirkungen überstanden haben.

Julia kam schon am nächsten Tag wieder in die Krippe. Doch weil nur ein Kind zu betreuen war und den Kolleg*innen ihre Schonhaltung im Schulterbereich auffiel, wurde sie heimgeschickt. Nur ein bisschen Ärger an der Einstichstelle. Andere fühlten sich benommen und konnten nicht mit dem Auto zur Arbeit fahren. Und wer nicht fahrtüchtig ist, ist auch nicht fit genug, um eine Kindergruppe zu betreuen. - Gleichwohl werden sich aber wie selbstverständlich vereinzelt gesundheitlich angeschlagene Erzieher*innen von ihren Partnern oder sogar einem Taxi in die Kita fahren lassen. Man darf sich fragen, was dahinter steckt. Können manche Fachkräfte nicht einmal für zwei oder drei Tage allein sein?

Das leidige „Ich-werde-gebraucht-Problem“  

Die Beschwerdebilder variieren, doch Erzieher*innen sind es gewohnt, körperliches Unwohlsein von der Übelkeit hin bis zu Kopf- und Gliederschmerzen auszuhalten. Eltern sollen ihre Kinder nicht krank in die Kitas und Schulen bringen. Paradoxerweise aber erwarten Fachkräfte immer noch zu einem hohen Prozentsatz von sich und anderen, dass eine „gute Erzieherin / ein guter Erzieher" kränkelnd oder gar krank zum Dienst erscheint. Zu große Gruppen sollen tunlichst nicht geschlossen oder nur von einer Kraft betreut werden. - Dabei sollten wird doch auch Vorbilder sein! Nicht nur für die Kinder und ihre Eltern, sondern auch für den Nachwuchs im Beruf. 

Die Priorisierung der Freitagsimpfung

„Unsere Kinderärzte haben sich beide freitags impfen lassen, um am Montag wieder in ihrer Praxis arbeiten zu können. Ich denke, wir sollten auch möglichst freitags gehen“, meinte eine Leiterin bevor diese Meldung des Landratsamtes in Bamberg in die Presse kam. "Künftig wollen wir Lehrer und Erzieher am Freitag impfen, damit sie sich am Wochenende auskurieren können und sich die Impfung nicht auf den Betrieb auswirkt.“ (Quelle)

Wenn Druck von anderen ausgeübt wird, könnte es doch Ehrensache sein, sich dagegen zu wehren, oder?

Erst lässt man uns unter Personalmangel und anderen Konditionen arbeiten, die wir nicht in Ordnung finden – und dann sollen ausgerechnet wir wegen des von der Politik zu verantwortenden Personalmangels auch noch auf ein unbelastetes Wochenende verzichten?

„Nach 26 negativen PCR-Tests, die du in deiner unbezahlten Freizeit über dich hast ergehen lassen, finde ich es voll korrekt, wenn du dich zum Wochenanfang impfen lässt“, meinte der Lebensgefährte einer Anerkennungspraktikantin. Gibt es Erzieher*innen, die insgeheim einen Groll hegen und das Bedürfnis haben, sich für eine quälend lange Quarantäne zu entschädigen? Endlich mal an sich denken? Dürfen Erzieherinnen das, wo doch die Eltern angeblich alle auf dem Zahnfleisch gehen und die Kitas angeblich wochenlang geschlossen hatten? So wie es das Recht auf eine freie Arztwahl gibt, haben wir auch das Recht, über unseren Impftermin selbst zu entscheiden - auch wenn das de facto leider kaum möglich ist.

Warum sollte sich ausgerechnet Carola, die regelmäßig am ersten Tag ihrer Periode leichenblass aussieht, erbrechen muss und definitiv nicht arbeitsfähig ist, diesen persönlichen Horrortag noch zusätzlich durch mögliche Impfreaktionen belasten? Andere finden es wirklich wichtig, am Wochenende endlich mal Zeit für die eigene Familie oder Freunde zu haben. Bitte nicht vergessen: Auch Singles müssen nicht immer zu allen Opfern bereit sein!

Nachdem ich als Hobbygärtnerin überzeugende Erfolge mit dem Gärtnern nach dem Mond und den Aussaattagen nach Maria Thun gemacht habe, möchte ich mir jedenfalls einen Impftermin nach dem Mondkalender aussuchen. (Um nicht zu missionieren verzichte ich auf weitere Angaben und einen Link.)

Bevor wir wieder zur Manövriermasse werden

Warum möchte die oberste Chefin eines großen Trägers eigentlich persönlich mit einer Sozialpädagogin über ihre Impfentscheidung sprechen? Monatelang wurde doch der Kontakt mit dem „Fußvolk“, mit denen, die die Risikokontakte mit Kindern und ihren Familien hatten, gemieden? Traut die Chefin nicht einmal der lebenserfahrenen, langjährig beschäftigten und akademisch gebildeten Fachkraft zu, sich selbstständig um eine ihre Gesundheit betreffende Entscheidung bemüht zu haben? Sie kann doch nicht vergessen haben, dass diese Mitarbeiterin zu denen gehörte, die nicht nur positiv getestet, sondern sogar erkrankt war! Ergo könnte sie über Abwehrkräfte verfügen, zumindest für einige Monate.

Aber was wäre, wenn eine beliebte und geschätzte Kraft auch andere veranlassen würde, sich nicht impfen zu lassen? Es soll Träger geben, bei denen jede Kraft, die sich nicht impfen lassen will, angerufen wird. Doch diese Fürsorge wirkt nicht fürsorglich. Als andere Maßnahmen nötig gewesen wären, war vom Engagement der Arbeitgeberseite herzlich wenig zu spüren. „Nein wir können Ihnen jetzt keinen unbezahlten Urlaub geben. Wenn das Tragen von FFP-2-Masken Sie zu sehr anstrengt, können Sie jederzeit medizinische Masken haben.“ Soche Sätze gegenüber Angehörigen einer Risikogruppe gingen glatt über die Lippen. Gesundheit und Sicherheit der Angestellten war vielen sozialen Trägern weniger wert als deren Verfügbarkeit. Druck wurde immer wieder von oben nach unten weitergegeben. - „Uns sind die Hände gebunden“ haben Erzieherinnen immer wieder zu hören bekommen. Niemals aber hieß es „Unsere Münder sind verstopft. Wir können Ihnen keine Weisungen mehr erteilen. - Tun Sie einfach, was Sie für das Beste halten.“ 

Scheiden eher die Besten oder die Schlechtesten früh aus dem Beruf aus?

Jede vierte Fachkraft soll den Erzieher*innenberuf, den „Traumjob“ nach vier Jahren (!) Ausbildung schon in den ersten drei bis fünf Jahren wieder aufgeben, hieß es in einem Artikel auf zeit.de. Volkswirtschaftlicher Irrsinn sei das, meint Verdi-Landesvorsitzender Detlef Ahting. Und Hans-Joachim Lenke, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege und Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen sagte dazu "Wir können nicht so schnell ausbilden, wie der Beruf wieder verlassen wird." 

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Kommentare (2)

Angelika Mauel 14 März 2021, 16:00

Ab und zu wird das vertrauliche Gespräch von Vorgesetzten gesucht, um mehr über die Stimmung unter den Fachkräften herauszubekommen. Wir sollten uns nichts vormachen: Im Homeoffice wird gegoogelt: Was posten und liken Erzieher und Erzieherinnen innen auf Facebook? Wird angedeutet, dass man "ein kleines Geheimnis in sich trägt" kann das das Ende eines befristeten Arbeitsverhältnisses bedeuten.

Ohne Facebook als unwichtig darstellen zu wollen, möchte ich an dieser Stelle mal loswerden, wie wichtig ich gerade die Kommentare auf der Fachwebseite finde. Hier kann jede und jeder unter einem Nick seinen Beitrag schreiben und diejenigen, die erst später einen Artikel hier entdecken, profitieren davon. Es ist anregend zu lesen, was ihre Fachkolleg*innen erlebt haben und welche Gedanken sie sich gemacht haben. Das ist so wichtig!!!

schwarzes Schaf 14 März 2021, 13:53

"Warum möchte die oberste Chefin eines großen Trägers eigentlich persönlich mit einer
Sozialpädagogin über ihre Impfentscheidung sprechen?"

Das frage ich mich auch. Medizinische Fragen pflege ich mit meinem Arzt zu klären - und nicht mit meinem Vorgesetzten. Man stelle sich eine Erzieherin vor, die fürchtet, dass sie nach der Impfung nicht mehr schwanger werden könnte. Ist der richtige Ort für ein solches Gespräch das Personalbüro?

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