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Kinder werden nicht genug geschützt - Probleme des Kinderschutzsystems

Hilde von Balluseck

11.11.2014 Kommentare (0)

Zu diesem Thema bot das DJI auf seiner Wissenschaftlichen Jahrestagung, die heute begann, im Forum "Kinderschutzkarrieren" zwei wirklich bemerkenswerte Vorträge an. Heinz Kindler, Mitarbeiter des Jugendinstituts,  referierte über Studien, die Aussagen über die Effektivität des Kinderschutzes machen. Man kann demnach sagen, dass unser deutsches System besser ist als das US-amerikanische, weil junge Menschen, die sich in Pflegeverhältnissen befanden, als junge Erwachsene seltener Probleme haben als in den USA. Dennoch: es sind immer noch sehr viele, die viele Trennungen nach der Fremdunterbringung nicht gut verkraften oder zu sehr geschädigt wurden.

Kindlers Übersicht machte auch darauf aufmerksam, dass Vernachlässigung und somit emotionale Misshandlung schwerer messbar ist als andere Formen von Gewalt. Es ist demnach sehr wichtig, dass die ExpertInnen in den Jugendämtern und andernorts besser argumentierten. Denn die Schäden durch emotionale Misshandlung sind nicht weniger groß als durch die anderen Formen von Gewalt.

Christian Schrapper, Professor an der Universität Koblenz-Landau, erhob schwere Vorwürfe im Zusammenhang mit den vielen toten Kindern, die es trotz Eingriffen der Jugendhilfe gegeben hat. Die ganzen Fälle, die uns in den letzten Monaten den Schlaf geraubt haben, wurden aufgerollt, denn Schrapper war in vielen Fällen auch Gutachter. Er stellte klar, dass die zuständigen Fachkräfte keineswegs automatisch aus ihren Fehlern lernten. Zum einen gelinge es vielen Eltern, die Aufmerksamkeit der Fachkräfte weg von den Kindern auf die Eltern zu lenken. Genau das war das Problem bei einigen Kindestoden.

Zudem ginge es im politischen Raum um die Festellung von Verantwortlichkeit: Wer hat Schuld, ist die Frage. Und die Schuldigen müssen gehen. Dabei werden die komplexen Entscheidungsprozesse, die zu den Fehlentscheidungen geführt haben, nicht analysiert. Aber nur dann, wenn minutiös rekonstruiert wird, warum die Fachkräfte, die ja keine Idioten und auch keine Verbrecher sind, bestimmte Entscheidungen so und nicht anders getroffen haben, nur dann hätten sie eine Chance, den Fehler nicht wieder zu begehen. So aber, wenn der/die Schuldige gesucht wird, z.B. mit einem Untersuchungsausschuss, begeben sich die Fachkräfte in eine Verteidigungsposition und denken nur noch daran, wie sie SICH, und nicht wie sie die Kinder schützen können. "Verunsicherte Helfersysteme sind hochgefährlich", so Schrapper.

Eine erschütternde Bilanz. Aber immerhin ein Ansatzpunkt, an dem die Jugendhilfe sich orientieren und weiter entwickeln kann. Und die Politik und die Medien ebenso.

 

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