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Verband Kita-Fachkräfte Bayern e. V. Stellungnahme zum Thema Corona-Bonus

10.05.2021 Kommentare (0)

Viele Beschäftigte in Kitas haben bisher und werden auch in der Zukunft keinen Corona-Bonus erhalten. Wir als Verband finden das ungerecht, da wir gemäß unserem Leitbild für Gleichheit und Gerechtigkeit stehen. Die Kita-MitarbeiterInnen leisten nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie hervorragende Arbeit. Doch seit der Corona-Pandemie haben sie mit noch schwierigeren Bedingungen in den Kitas zu kämpfen.

In den Kitas wurde und wird während der Corona-Krise meist mit Notbetreuung gearbeitet. Dies bedeutet in den meisten Kitas aber nicht, dass nur einzelne Kinder anwesend sind. Mittlerweile sind die Kitas mit bis zu 90% der Kinder wieder voll. In der Gesellschaft heißt es jedoch immer wieder, dass Kitas geschlossen seien. Dadurch entsteht der Eindruck, dass die Beschäftigten in Kitas derzeit nicht zur Arbeit gehen müssten und dadurch auch kein Anrecht auf einen Corona-Bonus hätten. So ist es jedoch wie eben bereits erwähnt wurde in der Praxis nicht.

Zusätzlich gibt es nun weitere Auflagen, die umgesetzt werden müssen, z.B. die strikte Trennung der Gruppen, wodurch vom Personal Mehrarbeit eingefordert wird, Vorbereitungszeit entfällt und eine Person länger allein arbeiten muss als zuvor. Dies führt zu einer weiteren Erhöhung der Belastung. Dazu kommt dann noch die Angst vor der Infektion mit dem Coronavirus. Es gab lange keine Impfungen und Tests für das Personal. Mittlerweile befindet man sich in diesem Bereich endlich auf einem besseren Weg. Kinder werden jedoch nach wie vor nicht getestet. Dies würde den Schutz für alle Beteiligten erhöhen.

Auch das Tragen der Masken im Alltag stellt eine hohe Belastung für das Personal dar. Die Kinder verstehen das pädagogische Personal nicht mehr richtig. Dadurch muss noch lauter gesprochen werden. Die Mimik fehlt. Gerade bei jungen Kindern ist Mimik jedoch sehr wichtig, damit die Kinder uns richtig verstehen, Beziehungen aufgebaut werden können und sich Sprache entwickeln kann.

Des Weiteren gibt es vermehrt Konflikte mit den Eltern. Eltern und Personal sind mit ihrer Belastbarkeit am Ende. Es können keine Aktionen mehr stattfinden, die die Gemeinschaft und den Austausch stärken. Es ist nur noch Zeit für eine kurze Übergabe. Dazu kommen dann unter anderem noch konfliktreiche Themen wie die Frage, ob das Kind die Notbetreuung besuchen darf, ob der Infektionsschutz gut genug umgesetzt wird oder ob die Maßnahmen überhaupt notwendig sind. Außerdem muss auch noch der Kontakt zu den Kindern, die nicht die Kitas besuchen gehalten werden.

Zudem gibt es immer wieder neue Auflagen, die schnell umgesetzt werden müssen. Es ist nun noch mehr bürokratische Arbeit zu leisten. So muss z.B. die Notbetreuung jede Woche neu koordiniert werden, es müssen Testformulare eingesammelt werden, Kinderzahlen müssen jede Woche gemeldet werden, es gibt immer wieder neue Hygienepläne, Stufenpläne etc.

Diese zuvor genannten Gründe für die Mehrbelastung der Arbeitskräfte in den Kitas würde sich auch durch eine Aufhebung der Notbetreuung nicht lösen. Auch dann spielen viele der genannten Faktoren noch eine wichtige Rolle und verschlechtern die auch vor der Pandemie bereits meist mangelhaften Bedingungen in Kitas zunehmend.

In sozialen Berufen arbeiten zudem hauptsächlich Frauen. Gerade in der Corona-Pandemie haben Mütter zusätzlich mit der Betreuung ihrer eigenen Kinder und dem Homeschooling zu kämpfen. Zu Beginn der Corona-Pandemie hatte das Personal von Kitas noch nicht einmal ein Anrecht darauf ihre eigenen Kinder in die Notbetreuung zu geben, es sollte aber andere Kinder betreuen. Wie sollte das funktionieren? Dazu kommt noch die Erhöhung der Kind-Krank-Tage, die auch für Beschäftigte in Kitas gilt. Das Personal, das keine Kinder hat, ist dadurch dazu gezwungen noch mehr Arbeit zu übernehmen, um das Fehlen von den KollegInnen abzufedern. Dies trifft auch bei Krankheiten der Beschäftigten zu, da diese nun länger zuhause bleiben müssen, bevor sie wieder in die Kitas gehen können.

Verstehen Sie uns nicht falsch. Wir setzen uns für einen hohen Infektionsschutz in Kitas ein und können die meisten Maßnahmen nachvollziehen und unterstützen. Damit diese gewinnbringend umgesetzt werden können müssen sich aber die Bedingungen in Kitas verändern und dem pädagogischen Personal muss mehr Wertschätzung entgegengebracht werden. Ein Anfang dafür wäre ein Corona-Bonus.

Das teilweise sogar weniger von der Pandemie betroffene Berufe wie Handwerker einen Corona-Bonus erhalten lässt unseren Unmut noch weiter steigen. Wir leisten auch ohne Pandemie schon herausragende Arbeit unter den schwierigen Bedingungen, die in Kitas gelten. Dass uns nun nicht einmal ein Corona-Bonus zustehen soll, anderen aber schon ist absolut nicht gerechtfertigt.

Einige Träger zahlen einen Bonus, jedoch nicht alle. Das lässt auch unter den Beschäftigten ein Gefühl von Ungerechtigkeit aufkommen. Das Argument, dass die Träger kein Geld mehr hätten ist schwer nachvollziehbar, wenn einige Träger einen Bonus zahlen, andere aber nicht. Zudem wird die Auszahlung eines Corona-Bonus von der Staatsregierung in der Betriebskostenförderung gefördert. Liebe Träger, bitte überdenken Sie Ihre Entscheidung noch einmal. Investieren Sie endlich in die Qualität der Kitas und in die Anerkennung der Beschäftigten. Dadurch kann auch der Fachkräftemangel abgemildert werden. Der Staat muss aus unserer Sicht in Zukunft noch stärker dafür sorgen, dass die Träger dabei auch finanziell unterstützt werden und die Förderung erhöht wird.

Für Rückfragen und Austausch stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Der Vorstand des Verbandes Kita-Fachkräfte Bayern

 

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