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„Wenn der Beruf zur Berufung wird: Ein Leben als SOS-Kinderdorfmutter/-vater ist mehr als ein gewöhnlicher Job"

Von den eigenen Eltern geliebt zu werden und geborgen in einem sicheren Zuhause aufzuwachsen, ist für die meisten von uns selbstverständlich. Dass es jedoch auch in Deutschland viele Kinder gibt, die dieses Glück nicht haben, zeigen leider neuste Zahlen zu Kindeswohlgefährdung und Vernachlässigung. 2019 waren es rund 40.900* Kinder, die zu ihrem eigenen Schutz aus ihrer Familie genommen werden mussten. Einige von ihnen konnten in einem SOS-Kinderdorf ein neues Leben beginnen.  

Während die SOS-Kinderdörfer früher vor allem ein Ort für Waisen waren, sind die Einrichtungen heute insbesondere für Kinder und Jugendliche gedacht, die aus den verschiedensten Gründen nicht mehr bei ihren leiblichen Eltern leben können. Oft haben diese Kinder in ihrer Vergangenheit Schlimmes erlebt – sie kämpfen daher häufig mit emotionalen, sozialen und schulischen Entwicklungsrückständen sowie einem schwach ausgeprägten Selbstwertgefühl. 

Der Beruf einer Kinderdorfmutter/eines Kinderdorfvaters 

An dieser Stelle beginnt die Aufgabe einer SOS-Kinderdorfmutter oder eines SOS-Kinderdorfvaters. Das tragende pädagogische Element jeder SOS-Kinderdorffamilie ist der Aufbau verlässlicher Beziehungen. Durch ein hohes Maß an Zuwendung und individueller Förderung sowie durch die Beständigkeit der familienähnlichen Lebensgemeinschaft wird eine vertrauensvolle Bindung geschaffen, die den Kindern und Jugendlichen die notwendige Grundlage für die Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Lebensgeschichte gibt.

  • Beruf und Leben neu gestalten: Hier gibt es alle Infos zur Arbeit in der Kinderdorffamilie - auch für Quereinsteiger. 

In der Regel leben sechs Jungen und Mädchen – häufig auch Geschwistergruppen – mit ihrer SOS-Kinderdorfmutter oder ihrem SOS-Kinderdorfvater in einem Familienhaus. Diese sind nicht nur wichtige Bezugspersonen, sondern zugleich auch Erzieherinnen und Erzieher der Kinder. Das gemeinsame Familienleben mit den anvertrauten Kindern können SOS-Kinderdorfmütter und -väter dabei nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten: Sie sorgen für einen geregelten Tagesablauf, helfen bei den Hausaufgaben, kümmern sich um den Haushalt, koordinieren Freizeitaktivitäten und spielen mit den Kindern. Als emotionale Bezugsperson begleiten sie ein Kind über viele Entwicklungsstufen hinweg – vom Windelwechseln bis zum ersten Liebeskummer sind sie stets an der Seite ihrer Schützlinge, fördern Entwicklungsprozesse und bereiten sie auf ein eigenverantwortliches Leben vor. Diese Beziehung hält oft ein Leben lang, wenn die Kinder schon längst erwachsen sind und auf eigenen Beinen stehen. 

Bei all diesen Aufgaben sind SOS-Kinderdorfmütter und -väter jedoch nie auf sich allein gestellt, sondern werden tatkräftig von weiteren pädagogischen, psychologischen und hauswirtschaftlichen Kolleginnen und Kollegen unterstützt, die in jeder Kinderdorffamilie mitarbeiten. 

  • Gut zu wissen: Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten rund um den Beruf Kinderdorfmutter/-vater.

Wie wird man SOS-Kinderdorfmutter/-vater?

SOS-Kinderdorfmutter und -vater zu sein, ist eine abwechslungsreiche und spannende, aber auch sehr anspruchsvolle Aufgabe, die vor allem vier Eigenschaften maßgeblich erfordert: 

  • Einfühlungsvermögen
  • Organisationstalent
  • Teamfähigkeit
  • Belastbarkeit

Wer diese Voraussetzungen erfüllt und sich eine berufliche Aufgabe wünscht, in der Menschen und Beziehungen zählen, könnte in diesem Beruf schnell seine Berufung finden.

Dabei ist es nicht nötig, bereits eine fertige Ausbildung zum Erzieher/zur Erzieherin in der Tasche zu haben. In einer dreijährigen berufsbegleitenden Ausbildung werden alle wichtigen Grundlagen erlernt und direkt in der Praxis geübt und umgesetzt. Während die theoretischen Kenntnisse in einer Erzieherfachschule in der Nähe des Kinderdorfs vermittelt werden, haben angehende Kinderdorfmütter und -väter im praktischen Teil der Ausbildung gleich die Möglichkeit, in einer Kinderdorffamilie mitzuarbeiten. So lernen sie ihr künftiges Aufgabengebiet in allen Bereichen und Facetten kennen. 

Wer aber bereits staatlich anerkannter Erzieher oder staatlich anerkannte Erzieherin ist, kann schneller Kinderdorfmutter bzw. -vater werden: Hier erfolgt der Aufbau einer eigenen Kinderdorffamilie bereits nach einer rund einjährigen Mitarbeit.

Ein Beispiel aus der Praxis – Wie Kinderdorfmutter Barbara Wegener als Quereinsteigerin ihre Berufung fand

Barbara Wegener ist Kinderdorfmutter und kümmert sich um fünf Kinder im Alter zwischen sechs und neun Jahren. Im Gegensatz zu vielen ihrer SOS-Kinderdorfmütter Kolleginnen hat sie sich erst sehr spät für diesen Beruf entschieden. Mit Ende 40 beschloss sie, ihren alten Job als Fremdsprachenkorrespondentin an den Nagel zu hängen und die Ausbildung zur Erzieherin zu machen. Zu diesem Zeitpunkt waren ihre eigenen Kinder bereits „flügge“, doch sie hatte „noch so viel Energie“, wie sie selbst sagt. 

SOS-Kinderdorf kannte Frau Wegener bereits von gelegentlichen Einsätzen als externe Betreuerin. Bei einem dieser Ausflüge gab es schließlich den Schlüsselmoment für die neue Berufswahl: Bei einer Sommerfreizeit begleitete sie Kinder und Jugendliche nach Italien. Das Glück in den Augen der Kinder zu sehen, die in ihrem Leben bereits so viel durchgemacht hatten, war für sie so ein besonderer Augenblick, dass sie wusste: „Ich möchte zu SOS-Kinderdorf gehören, als Kinderdorfmutter.“

Als Kinderdorfmutter und Erzieherin möchte Barbara Wegener „ihren“ Kindern heute vor allem das bieten, was sie bei ihren leiblichen Eltern vermisst haben: Einen sicheren Hafen und Menschen, die für sie da sind.  

Wer sich für den Beruf Kinderdorfmutter/ -vater interessiert oder sich direkt bewerben möchte, findet weitere Infos und Kontaktmöglichkeiten unter www.sos-mitarbeit.de/kdm

Über den SOS-Kinderdorf e.V.

SOS-Kinderdorf e.V. ist ein politisch sowie konfessionell unabhängiges Sozialwerk, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kindern ein sicheres Zuhause zu geben. In Deutschland ist der Verein mit 39 SOS-Kinderdorf-Einrichtungen an über 240 Standorten präsent. Mit rund 800 unterschiedlichen Angeboten werden darüber hinaus benachteiligte Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Familien in schwierigen Lebenslagen unterstützt. Zu diesen Angeboten zählen unter anderem stationäre oder ambulante flexible Hilfen, Beratung für Familien, Projekte zur schulischen und beruflichen Bildung, Tagesbetreuung und Angebote für Menschen mit Behinderung. 

Für telefonische Rückfragen rund um den Beruf SOS-Kinderdorfmutter/-vater richten Sie sich bitte an Sabine Tullach unter 089 / 12606 – 585.

* Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland: Pressemitteilung Nr. 363 vom 17. September 2020: Jugendämter nahmen 2019 rund 49 500 Kinder zu ihrem Schutz in Obhut. Verfügbar unter: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/09/PD20_363_225.html

Bildnachweis:
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